17.07.2020 – auch an diesem Freitag steht der Community Friday wie gewohnt an. Heute widmen wir uns dem Thema der akademischen Pflege im Maßregelvollzug.

@Gesundheitseinrichtungen Bezirk Oberfranken

Entwicklungen im Maßregelvollzug

Kein anderer Bereich des deutschen Gesundheitswesens ist so stark abhängig vom aktuellen Zeitgeist, politischen Geschehnissen und gesellschaftlichen Ereignissen wie der Maßregelvollzug [1]. Zum einen könnte man sagen, dass die Geschichte der forensischen Psychiatrie von Entwürdigung und vom Ausschluss psychisch kranker handelt. Sie kann aber auch als Kampf um Anerkennung psychischer Erkrankung und um Anerkennung von Bedürfnissen eben dieser verstanden werden [2].

Forensische Kliniken stehen derzeit im Wandel, was am Bedarf an forensischen Behandlungsplätzen ersichtlich ist. Die Bettenzahl in JVAs oder Allgemeinpsychiatrie bleiben konstant oder sinken sogar. Im Gegensatz dazu steht der Maßregelvollzug. Hier wurden zwischen 2000 und 2010 Behandlungsplätze von 5.872 auf 9.590 erweitert.

Dies repräsentiert die Bedeutsamkeit des Maßregelvollzugs im deutschen Gesundheitswesen und den Bedarf an Entwicklungen im Bereich der Pflege.

Rolle der akademischen Pflegekraft

Dieses rasante Wachstum und die wandelnden gesellschaftlichen Faktoren bringen natürlich einige Herausforderungen mit sich. Die Arbeit mit den Untergebrachten muss ständig reflektiert und angepasst werden. Die DGSP kürzlich Handlungsempfehlungen veröffentlich:

„Das zielgerichtete Einbringen von Fach- und Methodenkompetenzen durch entsprechend ausgebildete beziehungsweise akademisierte Pflegeexperten aus den Bereichen der Praxis, Pflegeentwicklung, Pädagogik oder Forschung nützt der forensisch-psychiatrischen Pflege, um gesichertes Wissen generieren oder um sich darauf beziehen und das jeweilige Handeln somit stets begründen zu können. Dies dient dazu, dem an die Berufsgruppe gerichteten Auftrag und Anspruch gerecht zu werden und um zeitgemäß zu leistende Struktur- , Prozess- und Ergebnisqualität darstellen zu können. Die Umsetzung eines zielgerichteten Transfers der Theorie in die Praxis dient dem fortlaufenden Ziel des State of the Art – unter Wahrung wissenschaftlicher Gütekriterien. Evidenzbasierte Pflege wird durch die Verknüpfung der ausgeprägten Beziehungsarbeit zwischen der untergebrachten Person und den forensisch-psychiatrisch Pflegenden, den hierdurch bedingten Erfahrungswerten und dem aktuellen Stand der Wissenschaft ermöglicht. Grundvoraussetzung hierfür ist ein ständiger Trialog zwischen der schulischen Aus- und Weiterbildung, der Praxis und den Hochschulen beziehungsweise der Forschung. Dies gilt es fortlaufend weiter auszubauen“ [3].

Praxisbeispiel

Ein Beispiel hierfür ist das Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg am Standort Weissenau. Hier entstand eine Gruppe aus akademischen Pflegekräften. Diese evaluieren aktuelle Behandlungsmöglichkeiten und bilden bei Bedarf eine Projektgruppe, um sich Versorgungslücken anzunehmen und diese zu schließen. Dafür stellt der Arbeitgeber notwendige Ressourcen zur Verfügung.

Interesse an weiteren Informationen?

Für Anregungen oder weitere Informationen, können Sie sich jederzeit beim Autor melden.

Literatur:

[1] Hax-Schoppenhorst, T. (2007): Rückkehr in die Strafbastion? – Professionelle Pflege in der forensischen Psychiatrie im Dilemma. In Schulz, M.; Abderhalden, C.; Needham, I.; Schoppmann, S.; Stefan, H. (Hrsg.): Kompetenz – zwischen Qualifikation und Verantwortung. IBICURA. Unterostendorf. S. 239 – 244

[2] Haynert, H.; Prüter, C. (2010): Wie ich den forensisch untergebrachten Menschen sehe, so pflege ich ihn auch. S. 154

[3] Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (2020): Standortbestimmung zur forensisch-psychiatrischen Pflege Abgerufen: 17.07.2020


Fabian Schoppenhauer

Initiator und Gründungsmitglied der Initiative für akademisierten Pflege.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.