19.06.2020 – Am heutigen Community Friday wollen wir uns der akademischen Ausbildung von Pflegenden annähern. Neben einer kurzen Geschichte der Pflegewissenschaft und Akademisierung sollen die Vorteile der hochschulischen Ausbildung und ein Blick ins Ausland erfolgen.

Bild: Jobs Intensivpflege

Was versteht man unter Akademisierung der Pflege?

Seit ca. 1990 besteht die Möglichkeit in Deutschland, Pflege zu studieren. Dabei konzentrierte sich die Auswahl eines akademischen Pflegestudiums auf die Pflegestudiengänge Pflegemanagement, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft (Klewer, J. 2012: 53f).

Im Jahre 2003/2004 wurde in den Berufe-Gesetzen die akademische Ausbildung im Bereich der Pflege integriert. Seit 2017 ist nun diese Möglichkeit auch im Pflegeberufegesetz offiziell als zweiter Bildungsweg verankert und somit rechtskräftig. Im § 37 des Pflegeberufegesetzes werden ganz klare Ziele der hochschulischen Pflegeausbildung beschrieben. Dabei werden Ziele wie Steuerung und Gestaltung des Pflegeprozesses, Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung auf Basis von Pflegewissenschaft, Übertragung von forschungsgestützten Problemlösungen, Implementierung wissenschaftlicher Lösungsansätze und Mitwirkung im Qualitätsmanagement, definiert.

Um diese Ziele im Rahmen des zu absolvierenden Studiengangs erlangen zu können, werden die Hochschulen angehalten, die Pflegestudiengänge auf mindestens sieben bzw. acht Semester auszulegen, um die geforderten Kompetenzen einer akademischen Pflegekraft auch erlernen zu können (Darmann-Finck, I.; Reuschenbach, B. 2018: 164f).

Bild: Universität Basel


Vorteile der Akademisierung

Die Akademisierung der Pflege darf auf keinen Fall als Selbstzweck verstanden werden, sondern soll vielmehr einen Transfer von innovativen Konzepten in die Praxis ermöglichen, um eine Qualitätssteigerung der Berufsausübung, zur Weiterentwicklung des Berufs und letztendlich somit zu einer verbesserten Patientenversorgung führen. Weiter wird die Akademisierung des Pflegeberufs als Notwendigkeit gesehen, um den steigenden Anforderungen des Berufs gerecht zu werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bedingt durch eine Steigerung der Attraktivität des Berufes und um Anschluss an das internationale Niveau zu finden (Klotz, S. 2018: 2ff).

Ausblick

Die neuen Studiengänge werden besonders von den Bundesländern gefördert und zielen im Endeffekt darauf ab, reflektierte akademische Pflegekräfte auszubilden, die in der Lage sind, das Handeln kritisch zu hinterfragen und wissenschaftlich zu argumentieren, ggf. zu adaptieren und weiterzuentwickeln. Demnach verfügen akademisch ausgebildete Fachkräfte zwar über die gleichen Kompetenzen wie eine traditionell ausgebildete Fachkraft, jedoch ist sie für die Bedarfserhebung, Pflegeplanung, Durchführung und Evaluation in höchstkomplexen Situationen zuständig und somit für die Steuerung und Überwachung des Pflegeprozesses (Reiber, K.; Winter, M. 2018: 2).

Exkurs EU

Grafik: Zander, Köppen, Busse 2017, S. 71


Die Akademisierung der Pflege in Deutschland ist im Vergleich zu anderen EU Ländern noch in den Kinderschuhen. Nicht nur die Akademisierungsquote, sondern auch der Pflegekraft-Patienten-Schlüssel schneidet in deutschen Krankenhäusern vergleichsweise schlecht ab. Es gilt somit das deutsche Gesundheitssystem an „Vorzeigeländer“ anzugleichen, um die Zufriedenheit der Pflegenden aber auch die Versorgung der Patienten weiterhin sicherzustellen.

Referenzliteratur

Darmann-Finck, Ingrid; Reuschenbach, Bernd (2018): Qualität und Qualifikation: Schwerpunkt Akademisierung der Pflege. In: Pflege Report 2018. Springer Verlag GmbH. Berlin Heidelberg
Klewer, Jörg (2012): Akademisierung der Pflege 3.0. In: HeilberufeBScience. Jahrgang 3. Heftnummer 2. Berlin
Klotz, Susanne (2018): Gesundheitswissenschaften. (Springer Reference Pflege – Therapie – Gesundheit). Springer Verlag GmbH. Wiesbaden
Reiber, Karin; Winter, Maik H.-J. (2018): Die Berufsrelevanz des Pflegestudiums – Erwartungen, Anforderungen und Perspektiven aus Sicht von Studierenden und Schlüsselpersonen der Versorgungspraxis. In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Online, Ausgabe 34


Lucas Schliz

Für einen gesunden Mix der verschiedenen Kompetenzprofile im Gesundheitswesen! Für eine Pflege, die sich wehrt! Für Qualität, die dem Personal und dem Patienten zu Gute kommt!

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