„Case Management ist eine Verfahrensweise in Humandiensten und ihrer Organisation zu dem Zweck, bedarfsentsprechend im Einzelfall eine nötige Unterstützung, Behandlung, Begleitung, Förderung und Versorgung von Menschen angemessen zu bewerkstelligen. Der Handlungsansatz ist zugleich ein Programm, nach dem Leistungsprozesse in einem System der Versorgung und in einzelnen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens effektiv und effizient gesteuert werden können.“ Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (2012)



Studieninhalte von Pflegestudiengängen zur Beratung und Begutachtung in der Pflege sowie zum Pflege- und Gesundheitsrecht qualifizieren die Absolventen zum Innehaben der Lotsenfunktion im Case- und Caremangement, insbesondere hinsichtlich der nachstationären Versorgung, z.B. bei Hilfen zu Anträgen bei Leistungen aus dem SGB V und XI. Vermittelte Lehrinhalte zum Pflegeprozess und zur Pflegediagnostik tragen maßgeblich dazu bei, bei z.B. Rehabilitanden einen Rehabilitationsverlauf, ggf. unter Darstellung von Assessmentergebnissen, abbilden und formulieren zu können bzw. aus diesen Ergebnissen notwendigen Änderungsbedarf abzuleiten. Weitere für Case Management wichtige, im Pflegestudium vermittelte Inhalte sind Module zu Empowerment, Kommunikation und Gesprächführung. 

Gemäß der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) besteht die Kernaufgabe des Case Management darin, „ein zielgerichtetes System von Zusammenarbeit zu organisieren, zu kontrollieren und auszuwerten“, das an den konkreten Bedarf der Unterstützung einer einzelnen Person ausgerichtet ist und welches die entsprechende Person in den Herstellungsprozess integriert. Dabei hat der Case Manager eine zentrale Schlüsselrolle (sog. Lotsenfunktion) inne, indem er die Hilfsbedürftigkeit einer Person einschätzt, benötigte soziale, sowie medizinische Leistungen plant, sicherstellt und bereitstellt, Prioritäten setzt und für die Einhaltung des erarbeiteten Plans sorgt.

Phasen und Ablauf des Case Management

Deinstitutionalisierung

Seine Entwicklung nahm das Case Management in den 1970er Jahren in den USA, zu dieser Zeit entließ man chronisch, psychisch, geistig Behinderte und Pflegebedürftige in großer Zahl aus einer stationären Unterbringung. Zur damaligen Zeit hielt man diese Unterbringung mit den Rechten der Bürger nicht mehr für vertretbar. Man erkannte zudem, dass diese stationäre Versorgung hohe Kosten verursacht und den Betroffenen mehr Schaden zufügt, als dass ihnen dies nutzen würde. Durch diese „Deinstitutionalisierung“ war man gezwungen ambulante Hilfsangebote durch medizinische und soziale Dienste bereit zu stellen, um die Versorgung zu gewährleisten. Im ambulanten Sektor fehlte jedoch ein Instrument zur Koordination und Steuerung dieser Angebote, das Case-Management wurde geboren. Diese Aufgabe übernahm die gemeindenahe Versorgung, die sog. „Gemeindepflege“ (community care). 

Ambulanter/ stationärer Sektor

Die Notwendigkeit von Case Management resultiert aus der zunehmenden Komplexität der Versorgung chronisch kranker Patienten in verschiedenen Lebenslagen und der Komplexität der Versorgungsstrukturen im deutschen Gesundheitswesen. Insbesondere sollte die Fallsteuerung in der Versorgung von chronisch kranken Menschen intersektionär hinaus erfolgen und nicht wie derzeit überwiegend im ambulanten und stationären Bereich getrennt und dies oftmals auf unkoordinierte Weise.

Fazit

Die Aufgabe des Case Managements liegt also darin, dass der einzelne Fall durch spezifisches und methodisches Vorgehen durch das Gesundheitssystem geleitet wird, wobei die für ihn relevanten Leistungsbereiche erschlossen und der Prozess der Leistungserbringung gesteuert werden. Es geht also um eine kontinuierliche Begleitung über einen längeren Zeitraum und über die Grenzen der verschiedenen Versorgungsbereiche hinweg. 

Literatur

von Reibnitz, C. (Hrsg.) (2015): Case Management: praktisch und effizient.
Wendt, W.R. (2018): Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen. Eine Einführung.
https://www.fh-mittelstand.de/fileadmin/Forschung/CaMa_Leitfaden_final.pdf (zuletzt zugegriffen am 04. Juni 2020)


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