12.06.2020 – auch an diesem Freitag widmet sich die Initiative für akademisierte Pflege e.V. dem Community-Friday. Heute stehen Technologien im Fokus, welche Pflegekräfte im Alltag Unterstützung bieten.

Was versteht man unter Digitalisierungsprozessen?

Grundsätzlich versteht man unter der Digitalisierung einen Wandel, der technische Möglichkeiten der elektronischen Speicherung, Vernetzung und Verarbeitung von Informationen mit sich bringt. Bezogen auf die Pflege bedeutet dies, den zunehmenden Einsatz von modernen und vernetzten Informations- und Kommunikationssystemen, intelligenter Robotik und vernetzte Sensoren- und Monitoringsysteme. Diese Formen haben eins gemeinsam: sie werden in der direkten Patientenversorgung angewandt [1].

Die Bereiche, die personenbezogenen Dienstleistungen anbieten, wie die Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege sind stark auf die soziale Interaktion und zwischenmenschliche Fürsorgearbeit zwischen Patienten und Pflegekraft fokussiert, was zwangsläufig hohen Diskussionsbedarf mit sich bringt. Nichtsdestotrotz durchdringen Informations- und Kommunikationstechnologien und die Robotik nach und nach immer häufiger das deutsche Gesundheitswesen. Vor allem in den Medien wird häufig über den Einsatz von Robotertechnologie berichtet. Die darin suggerierten Zukunftsszenarien sind joch weit entfernt von der Realität. Und doch kann man nicht leugnen, dass sich durch die Implementierung von modernen Technologien einiges ändern wird [1].

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)

Mit der IKT wurde die typische Patientenakte, die handschriftlich angelegt und bearbeitet wurde, digitalisiert. Die Idee dahinter war es, dass Vorkommnisse zeitnah und leserlich dokumentiert werden konnten. Dadurch sollte Zeit eingespart werden und Fehler, die aus unleserlicher Schrift resultierten, vermieden werden. Die Implementierung läuft deutschlandweit sehr unterschiedlich. Immer noch wird in vielen Kliniken handschriftlich dokumentiert, was ein hohes Fehlerpotential mit sich bringt [2].

Service-Robotik

Pflegeroboter können für eine Vielzahl verschiedener Tätigkeiten am Patientenbett eingesetzt werden. Beispielsweise können sie PatientInnen Medikamente reichen, Unterstützung beim Hinlegen und Aufrichten geben oder in Notfällen Alarme auslösen und den Rettungsdienst verständigen [3].

Ein Beispiel hierfür ist das Forschungsprojekt “SeRoDi”, welches für Service-Robotik für personenbezogene Dienstleistungen steht. Dieses Projekt wurde vom Stuttgarter Frauenhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt.

Im Zuge dieses Projektes wurde der sogenannte intelligente Pflegewagen entwickelt. Der Pflegewagen hat die Aufgabe dem Pflegepersonal Verbrauchsmaterialien wie Verbandsutensilien, Handschuhe, Desinfektionsmittel und dergleichen direkt vor Ort zur Verfügung zu stellen. Mit einem Smartphone kann die Pflegeperson den Pflegewagen zum gewünschten Dienstort ordern. Der Mehrwert dieser Erfindung liegt in der Prozessoptimierung und in der Entlastung des Pflegepersonals. Konkret gesagt, kann der intelligente Pflegewagen Pflegenden eine Vielzahl an Laufwegen ersparen.

Außerdem notiert der Wagen automatisch die verbrauchten Utensilien, damit die Nachfüllung problemlos und schnell folgen kann. Er navigiert sich selbständig dorthin. Falls das gewünscht Ziel nicht auf derselben Etage wie der Aufenthaltsort des Roboters liegt, kann er den Aufzug bedienen Stockwerke auf- und abwärts passieren [4].

Ein weiterer nützlicher Serviceassistent ist der sogenannte „Care-O-Bot“, dessen Aufgabe es ist, Bewohnern in stationären Langzeiteinrichtungen regelmäßig Getränke und Snacks anzubieten. Er ist zylinderförmig aufgebaut und fährt aus eigenem Antrieb durch die Räumlichkeiten. Er ist mit Sensoren und Kameras ausgestattet, die ihm die Navigation und Koordination ermöglichen. Die Bewohner können per Touchscreen ihre Wünsche äußern [4].

Soziale Robotik

Die soziale oder emotionale Robotik wird aktuell hauptsächlich in Einrichtungen der Altenpflege, beziehungsweise in der unmittelbaren Arbeit mit Demenz-Kranken eingesetzt. Bekannte Prototypen hierbei nennen sich „Paro“ und „Pepper“. Diese treten gezielt in Kontakt mit den Bewohnern und können sogar die Mimik und Sprachen analysieren. Bei der sozialen Robotik steht die spielerische Aktivierung und das Fördern von Alltags- und Sozialkompetenzen. Dies wird durch Maßnahmen, wie etwa das gemeinsame Singen erreicht [5].

Fazit

Die Implementierung digitaler Technologien bietet einerseits große Chancen, kann aber andererseits bei schlechter und falscher Umsetzung Schaden anrichten. Wichtig ist, dass die Umsetzung fokussiert, geplant und strukturiert ablaufen wird. Jedoch kann aus der EMRAM-Studie entnommen werden, dass die Implementierung international teilweise sehr erfolgreich verlief. Hier wurde gerade in Bezug die elektronische Patientenakte gute Arbeit vollbracht. Viele potentielle Fehlerquellen konnten durch transparente und umfassende Kommunikationstools umgangen werden.

Ethische Komponenten bieten medialen Zündstoff und sollten somit mit Vorsicht genossen werden. Ein objektiver Blick kann natürlich nicht schaden, aber es sollte nicht vergessen werden, dass Technologien, wie beispielsweise Roboter meist als unterstützende Einheit hinzugezogen werden soll und nicht alleine für die Versorgung von Patienten und Bewohnern Verantwortung trägt.

Nicht zu vergessen sind die enormen Kosten, die moderne Technologien mit sich bringen. Große Investitionen werden künftig höchst wahrscheinlich ebenfalls für große Diskussionen sorgen, da sich das Pflegepersonal primär vernachlässigt fühlen könnte und sich mehr Kollegen erhoffen wird.

Quellen:

[1] Daum, M. (2017): Digitalisierung und Technisierung der Pflege in Deutschland. Aktuelle Trends und ihre Folgewirkung auf Arbeitsorganisation, Beschäftigung und Qualifizierung. DAA-Stiftung – Bildung und Beruf. Stuttgart Hamburg.

[2] Hielscher, V.; Nock, L.; Kirchen-Peters, S. (2015)Technikeinsatz in der Altenpflege. Potenziale und Probleme in empirischer Perspektive. 1. Aufl. Baden-Baden: Nomos (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung, 178).

[3] Bendel, O. (2018): Pflegeroboter. Daimler und Benz Stiftung, Springer Gabler

[4] Graf, B. (2019): Neue Servicerobotik-Lösungen für die stationäre Pflege. In: PFLEGE Zeitschrift. 1-2. 2019/72

[5] Strebe, B. (2019): Ist der Pfleger der Zukunft ein Roboter? In: Wolfsburger Allgemeine. 01.07.2019

Bilder:

[1] Pixabay

[2] Pixabay

[3] Frauenhofer IPA

[4] Frauenhofer IPA

[5] https://it-wegweiser.de/pepper-humanoide-roboter/ (Stand: 12.06.2020)


Fabian Schoppenhauer

Initiator und Gründungsmitglied der Initiative für akademisierten Pflege.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.