Evidence based nursing ist die Integration der derzeit besten wissenschaftlichen Belege in die tägliche Pflegepraxis unter Einbezug theoretischen Wissens und der Erfahrung der Pflegenden, der Vorstellungen des Patienten und der vorhandenen Ressourcen

Behrens und Langer 2010

Durch das Knowhow akademisierter Pflegefachkräfte ist es möglich, wissenschaftliche Erkenntnis herzustellen, verfügbar zu machen und in der Praxis anzuwenden. Es ist von großer Bedeutung, Wissen, angelehnt an aktuelle Forschungsergebnisse und Evidenz, in die Praxis zu transferieren. Das pflegerische Handeln sollte vor allen Beteiligten fachlich begründet werden können. Beim Evidence based Nursing-Prozess geht es um die Beurteilung von Forschungsarbeiten und deren Implementierung in die Praxis. Hierbei werden die Grundpfeiler der Evidenz (Patienten-präferenzen und -erfahrungen, klinische Erfahrung, lokale Faktoren, Forschung) sowie die verschiedenen Wissensformen (ethisch, persönlich, ästhetisch, empirisch) berücksichtigt. Konkret geht es darum, fundierte Forschungsergebnisse auf die eigene Einrichtung/ Institution/ Station/ individuelle Patientensituation herunterzubrechen, mit dem Ziel, die Pflegequalität zu erhöhen (Behrens & Langer 2010).

Im Rahmen eines pflegefachlichen Projektes wurde beispielsweise ein stufenorientiertes Trainingsprogramm entwickelt. Dieses wurde anhand des EbN-Prozesses bearbeitet und mit dem Rahmenwerk „Ottawa Model of Research Use“ in die Praxis implementiert.

Der Evidence based Nursing-Prozess



OMRU – Das „Ottawa Model of Research Use“



Menschen mit chronischen Erkrankungen müssen über ein komplexes Medikamentenregime verfügen. Um ein solches bewältigen zu können, ist sowohl ein hohes Maß an Wissen als auch an Selbstmanagementkompetenz erforderlich. Dieses kann über ein Trainingsprogramm vermittelt werden, das die Selbstwirksamkeit des Patienten stärkt. Ob im ambulanten oder (teil-)stationären Setting, in den Disziplinen Psychiatrie, Rehabilitation oder Somatik – eine professionelle Haltung der Pflegefachkräfte bei der Schulung von Patientinnen im Umgang mit Medikamenten ist von großer Bedeutung.


Die Integration und der Umgang mit Medikamenten im Alltag sowie das Ausbilden von Routinen, um die Einnahme der Medikamente nicht zu vergessen, sind kompliziert und herausfordernd. Laut aktueller Studienlage haben Patienten Schwierigkeiten bei der Beobachtung, Deutung und Kommunikation von Symptomen. Zudem weisen sie Defizite im Umgang mit Neben- und Wechselwirkungen, unangenehmen Begleiterscheinungen sowie der Informationssuche und -beschaffung auf. Über die erforderlichen Selbstmanagementfähigkeiten und Kompetenzen verfügen nicht alle erkrankten Patienten. Die Förderung des Selbstmanagements kann über einen patienten- und ressourcenorientierten Ansatz aus Information, Wissensvermittlung und Anleitung zur Selbstbefähigung (Empowerment) geschehen. Der Fokus liegt dabei auf der Kompetenzentwicklung, sodass der Patient zu einem selbstbestimmten, gesundheitsbezogenen Handeln befähigt wird (Müller-Mundt & Schaeffer 2011).

Pflegende mit akademischem Grad sind dazu prädestiniert, derartige evidenzbasierte Themen unter der Berücksichtigung des Praxisorts und der Teammitglieder zu bearbeiten, zu implementieren und zu evaluieren (vgl. Wegner 2019).

Referenz zum gesamten Artikel:

Sonntag, J. (2020): Stufenorientiertes Medikamententrainingsprogramm. Förderung der Selbstwirksamkeit von chronisch erkrankten Menschen. NovaCura. Jahrgang 51/ Heft 1. S.21-24. Hogrefe Verlag. Ravensburg.

Literatur:

Behrens, J.& Langer, G. (2010). Evidence-based Nursing and Caring: interpretativ-hermeneutische und statistische Methoden für tägliche Pflegeentscheidungen: vertrauensbildende Entzaube-rung der „Wissenschaft”. Bern: Hans Huber.
Müller-Mundt, G. & Schaeffer, D. (2011): Bewältigung komplexer Medikamentenregime bei chronischer Krankheit im Alter: För-derung des Selbstmanagements als Aufgabe der Pflege. Zeit-schrift für Gerontologie & Geriatrie, 44(1), 6–12.
Wegner, Y. (2019): Pflegeexperten. Ein Konzept zur Implementierung hochschulisch ausgebildeter Pflegekräften in der Pflegepraxis. 1. Auflage (Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag : […], Reihe Soziale Arbeit).


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