16.01.2020 – Berlin.
Alles hatte sich auf die heutige Debatte im Bundestag zugespitzt. Nun ist eine Entscheidung gefallen.

379 Parlamentarier sprachen sich gegen, 292 für die doppelte Widerspruchslösung aus. Doch um was ging es hier eigentlich?

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit im März 2018 kündigte Spahn eine mögliche Reform des Organspende-Gesetzes an. Seit knapp zwei Jahren setzte er sich also mit Akteuren wie der Patientenbeauftragten Prof.in Schmidtke, Karl Lauterbach oder prominenten Vertretern wie Jürgen Vogel für eine Wende in der derzeitigen Systematik der Organspende ein.

Ziel der doppelten Widerspruchslösung war es, jeden Bürger gezielt zum Nachdenken anzuregen und eine persönliche Entscheidung eines jeden zu fordern. Denn bei aktuell benötigter Zustimmung zur Organspende können sich die Bürger auch getrost zurücklehnen, enthalten und gar nicht erst mit dem Thema beschäftigen.

Die doppelte Widerspruchslösung hätte eben dieses Prinzip umgekehrt, man müsse nicht länger eine Spende zustimmen, sondern der Organspende explizit widersprechen, um nicht als Spender in Frage zu kommen. So wollten Spahn und Kollegen auch der massiven Unterversorgung und Wartezeiten von Patienten, die ein Organ benötigen, entgegen wirken. Doch bei all der nötigen Aufklärung der Bürger und Abgeordneten in vielen Debatten über knapp 18 Monate hinweg hat es heute nicht für eine Reform gereicht. Vor allem die Grünen mit Baerbock und die Linken mit Kipping haben sich derart gegen die Etablierung der neuen Form gewehrt, dass sie gleich einen Gesetzesentwurf zur Beibehaltung derzeitiger Systematik vorgelegt haben.

Einziger Trost ist wohl, dass in Zukunft die Bürger in Gesundheitseinrichtungen, über Werbung und Medien und auch bei Amtsbesuchen informiert und für das Thema sensibilisiert werden sollen.


Auch wir sind entsetzt über die Entscheidung und die Argumente der Gegner. Vor allem ging es in deren Erörterung um eingeschränkte Entscheidungen.
Das ist schlichtweg falsch. In der doppelten Widerspruchslösung kann jeder frei entscheiden, es ändert sich nur die Stelle, an der ein Kreuz gesetzt werden muss. Richtig ist, dass Menschen zu einer Entscheidung verpflichtet werden. Aber es ist gerade vor dem Hintergrund aktueller Evidenz zu Themen wie der Gesundheitskompetenz fundamental wichtig, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Auch ethische Argumentationslogiken sind hier nicht nachvollziehbar, wurde doch erst im Dezember die verpflichtende Impfung gegen Masern initiiert. Hier kommt es zu einer deutlich schwerwiegenderen Verpflichtung.

So bleibt abschließend zu sagen, dass die kommende Sensibilisierung der Bürger hoffentlich tiefgehend und umfangreich stattfindet. Denn nach einer so langen Entwicklung und einer so gewichtigten Entscheidung wie heute, wird es erst mal keine Debatten mehr zu diesem Thema geben.

Bleiben wir also stark, setzen wir uns weiterhin für das Wohl der zu Versorgenden ein und bekräftigen all diejenigen, die überlegen oder zweifeln. Gehen wir als gute Vorbilder voran und bringen die Menschen dazu, sich zu entscheiden.

Quelle 1:
https://www.tagesschau.de/inland/organspende-bundestag-111.html , Zugriff am 16.01.2020, 12:25 Uhr
Quelle 2:
https://www.sueddeutsche.de/politik/organspende-widerspruchsregelung-bundestag-1.4759195 , Zugriff am 16.01.2020, 12:26 Uhr


Fritz Sterr

Vorstandsmitglied in der Initiative für akademisierte Pflege e.V.

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